KI gekauft. Wirkung erwartet. Veränderung vergessen?

Warum sich Künstliche Intelligenz nicht von allein rechnet – und wie Unternehmen mit einer klaren KI-Strategie aus ersten Anwendungen echten Nutzen entwickeln.
Die Lizenzen sind gekauft. Erste Mitarbeitende nutzen KI. Texte entstehen schneller, Besprechungen werden zusammengefasst, Informationen lassen sich leichter aufbereiten.
Und dann kommt die Frage der Geschäftsführung: Was bringt uns das eigentlich?
Eine berechtigte Frage. Denn zwischen einer beeindruckenden KI-Antwort und einem wirtschaftlich wirksamen Einsatz im Unternehmen liegt mehr als ein guter Prompt.
Es liegt die Bereitschaft, Arbeit neu zu gestalten.

Bild: built with AI by human creativity © Nahed Hatahet
„Wenn wir nur einen einzelnen Arbeitsschritt beschleunigen, kann das Problem einfach zur nächsten Station wandern."
(Zitat: Nahed Hatahet)
Was die Studie tatsächlich zeigt
DER STANDARD berichtet am 1. Oktober 2026 über eine Untersuchung von BearingPoint zum wirtschaftlichen Nutzen von KI. Die Überschrift klingt ernüchternd. Beim genaueren Hinsehen zeigt sich jedoch ein differenzierteres Bild: KI schafft bereits Nutzen, ihre breitere Umsetzung bleibt schwierig.
Laut BearingPoint melden 74 Prozent der Organisationen mit implementierter KI messbare Umsatz- oder Kosteneffekte. Allerdings konnten nur 13 Prozent ihre KI-Initiativen vollständig entsprechend dem ursprünglichen Business Case ausweiten. Grundlage ist eine internationale Befragung von Führungskräften – keine gesonderte Untersuchung österreichischer Unternehmen.
Für mich liegt darin eine entscheidende Frage: Was fehlt zwischen einer erfolgreichen Anwendung und einer Organisation, die deren Möglichkeiten tatsächlich nutzen kann?
Ein schnellerer Arbeitsschritt macht noch keinen besseren Prozess
Nehmen wir ein einfaches Beispiel: Ein Unternehmen setzt KI ein, um Angebote vorzubereiten.
Der erste Entwurf entsteht deutlich schneller. Das Team ist begeistert. Die Demonstration funktioniert.
Aber die notwendigen Kundendaten liegen weiterhin in verschiedenen Systemen. Preise müssen händisch abgeglichen werden. Für die Freigabe ist dieselbe überlastete Person zuständig wie bisher. Und niemand hat festgelegt, welche Angaben die KI verwenden darf oder wie das Ergebnis geprüft wird.
Der Entwurf ist schneller fertig. Das Angebot kommt trotzdem kaum früher beim Kunden an.
Genau deshalb muss man den gesamten Ablauf betrachten: vom Eingang einer Anfrage bis zum freigegebenen Angebot. Wo entsteht der tatsächliche Engpass? Welche Informationen fehlen? Welche Entscheidungen brauchen Menschen? Und welcher Teil lässt sich überhaupt sinnvoll mit KI unterstützen?
Wenn wir nur einen einzelnen Arbeitsschritt beschleunigen, kann das Problem einfach zur nächsten Station wandern.

Bild: built with AI by human creativity © Nahed Hatahet
„Ein Unternehmen muss auch erkennen können, wo eine KI-Investition derzeit wenig sinnvoll ist."
(Zitat: Nahed Hatahet)
KI-Strategie beginnt mit einer unternehmerischen Frage
Für mich beginnt eine sinnvolle KI-Strategie mit der Frage: Was soll für dieses Unternehmen konkret besser werden?
Sollen Kunden rascher Antworten erhalten? Soll Wissen leichter verfügbar sein? Soll die Fehlerquote sinken? Sollen Mitarbeitende weniger Zeit mit Administration verbringen? Oder wollen wir Leistungen anbieten, die bisher wirtschaftlich nicht möglich waren?
Diese Ziele führen zu unterschiedlichen Lösungen.
Manchmal braucht es dafür KI. Manchmal zunächst verlässlichere Daten, einen einfacheren Prozess oder eine klare Zuständigkeit. Das herauszuarbeiten gehört für mich zu guter Beratung.
Ein Unternehmen muss auch erkennen können, wo eine KI-Investition derzeit wenig sinnvoll ist.
Denn jede neue Anwendung verursacht Aufwand: für Einführung, Integration, Betreuung, Qualitätssicherung und Lernen. Dieser Aufwand gehört ebenso in die Bewertung wie die erwartete Zeitersparnis.
Was machen wir mit der gewonnenen Zeit?
Angenommen, ein Team spart durch KI tatsächlich mehrere Stunden pro Woche. Was geschieht mit dieser Zeit?
Kann es Kunden besser betreuen? Rückstände abbauen? Wissen dokumentieren? Neue Leistungen entwickeln? Oder füllt sich der Kalender einfach mit zusätzlichen Besprechungen?
Zeitersparnis schafft Möglichkeiten. Welche davon genutzt werden, ist eine Führungsentscheidung.
Dabei muss man ehrlich bleiben: Frei werdende Zeit führt nicht automatisch zu geringeren Kosten. Sie kann aber helfen, mehr Arbeit mit vorhandenen Ressourcen zu bewältigen, Qualität zu verbessern oder Menschen spürbar zu entlasten.
Auch das ist wertvoll. Es braucht nur ein klares Ziel und eine nachvollziehbare Bewertung.
Wer Produktivität verspricht, sollte erklären können, was sich dadurch im Unternehmen tatsächlich verändern soll.

Bild: built with AI by human creativity © Nahed Hatahet
„Zeitersparnis schafft Möglichkeiten. Welche davon genutzt werden, ist eine Führungsentscheidung."
(Zitat: Nahed Hatahet)
Der Mensch entscheidet mit, ob KI wirksam wird
Ein KI-Projekt verändert Aufgaben. Damit berührt es auch Erfahrung, Selbstverständnis und Verantwortung.
Wer bisher Informationen recherchiert hat, soll künftig vielleicht KI-Ergebnisse prüfen. Wer Texte erstellt hat, muss stärker beurteilen, ob Inhalte fachlich richtig und für die Zielgruppe geeignet sind. Führungskräfte müssen entscheiden, welche Aufgaben sie anders verteilen.
Das lässt sich nicht allein durch das Bereitstellen einer Software lösen.
Menschen brauchen Orientierung: Warum führen wir diese Anwendung ein? Was wird von mir erwartet? Woran erkenne ich ein gutes Ergebnis? Wann muss ich eingreifen? Und an wen wende ich mich, wenn etwas nicht funktioniert?
Wer Mitarbeitende früh einbindet, erfährt zudem häufig etwas, das in keiner technischen Präsentation steht: wie die Arbeit tatsächlich erledigt wird. Welche Ausnahmen vorkommen. Wo Informationen fehlen. Und warum ein scheinbar einfacher Ablauf in der Praxis kompliziert ist.
Dieses Wissen ist eine wesentliche Grundlage für eine brauchbare KI-Lösung.
Was ich vor dem nächsten KI-Projekt klären würde
Für Unternehmen in Österreich, die KI einsetzen oder bestehende Initiativen weiterentwickeln möchten, würde ich zunächst fünf Fragen stellen:
Welches konkrete Problem lösen wir?
Ein klar abgegrenzter Bedarf ist ein besserer Ausgangspunkt als der Wunsch, irgendwo KI einzusetzen.
Wie erkennen wir eine Verbesserung?
Bearbeitungszeit, Fehlerquote, Servicequalität oder Kosten: Der Ausgangszustand und das Ziel müssen nachvollziehbar sein.
Passt die Anwendung in den Arbeitsalltag?
Daten, Systeme, Übergaben und Ausnahmen gehören von Beginn an in die Betrachtung.
Wer trägt die Verantwortung?
Es muss klar sein, wer Ergebnisse prüft, Entscheidungen trifft und die Anwendung im laufenden Betrieb betreut.
Können und wollen die Menschen damit arbeiten?
Praktische Erprobung, passende Qualifizierung und offenes Feedback zeigen, was noch fehlt.
Ein Pilotprojekt sollte genau diese Fragen beantworten helfen. Dann liefert es eine Grundlage für die Entscheidung, ob und wie eine Anwendung weiter ausgebaut wird.

Bild: built with AI by human creativity © Nahed Hatahet
„KI kann viel beschleunigen. Wohin sich ein Unternehmen damit entwickelt, müssen Menschen entscheiden."
(Zitat: Nahed Hatahet)
KI-Beratung heißt, diese Fragen zusammenzubringen
Als KI-Berater und Transformationsexperte begleite ich Unternehmen dabei, Technologie mit ihren Zielen und der Realität ihrer Mitarbeitenden zu verbinden.
Dazu gehört, sinnvolle Anwendungsfälle zu priorisieren, Voraussetzungen sichtbar zu machen und Führungskräften Orientierung für die nächsten Entscheidungen zu geben. Je nach Ausgangslage greifen dabei strategische Beratung, gemeinsame Workshops, Mentoring und gezielter Kompetenzaufbau ineinander. Ein Unternehmen, das noch nach seinem ersten sinnvollen Anwendungsfall sucht, braucht eine andere Begleitung als eines, dessen Pilotprojekte bereits funktionieren, aber im Alltag stecken bleiben.
Für mich ist deshalb entscheidend, genau hinzusehen: Wo steht die Organisation? Was braucht sie jetzt? Und welcher nächste Schritt ist tatsächlich tragfähig?
Von der Orientierung zur Umsetzung: die KI-Werkstatt
Genau dafür haben wir auf KI-Trainings.at die KI-Werkstatt für Unternehmen entwickelt. Hier arbeiten wir gemeinsam an den Fragen, die über den sinnvollen Einsatz von KI entscheiden: Wo liegen konkrete Potenziale? Welche Anwendungen versprechen echten Nutzen? Und was braucht es, damit sie im Arbeitsalltag funktionieren?
Je nach Ausgangslage schaffen wir zunächst ein gemeinsames Verständnis, bewerten und priorisieren konkrete Anwendungsfälle oder vertiefen die KI-Strategie und die nächsten Umsetzungsschritte.
Die Fragen und Herausforderungen Ihres Unternehmens bilden dabei den Ausgangspunkt. So wird aus einer allgemeinen Diskussion über KI eine belastbare Grundlage für konkrete Entscheidungen.
KI kann viel beschleunigen. Wohin sich ein Unternehmen damit entwickelt, müssen Menschen entscheiden.
Sie möchten KI in Ihrem Unternehmen wirtschaftlich sinnvoll einsetzen oder bestehende Projekte weiterentwickeln? Gemeinsam klären wir, wo der größte Hebel liegt und welche Voraussetzungen Sie dafür schaffen sollten.
Quellen & Anlass: DER STANDARD: „Studie: KI-Einsatz lohnt sich bis jetzt für die wenigsten Firmen“, 1. Oktober 2026




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