Arbeitsschutz im Wandel: Wie KI Sicherheitsarbeit verändert
- Nahed Hatahet

- vor 17 Stunden
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Künstliche Intelligenz hält Schritt für Schritt auch im Arbeitsschutz Einzug. Sie hilft dabei, Wissen zugänglich zu machen, Unterlagen aufzubereiten und Prozesse effizienter zu gestalten.
Gleichzeitig bleibt eine Frage zentral: Wo endet nützliche Unterstützung und wo beginnt die Verantwortung des Menschen? Wir haben mit Digital- und AI-Transformationsberater Nahed Hatahet darüber gesprochen, wie KI die Sicherheitsarbeit verändert, welche Chancen sich daraus ergeben und warum fachliche Urteilskraft unverzichtbar bleibt.

Bild © Studio Heidegger
„Perspektivisch wird KI auch stärker in reale Arbeitsumgebungen hineinwirken, etwa über Sensorik, Kameras oder kontextbezogene Warnsysteme."
(Zitat: Nahed Hatahet)
BILDUNG: Herr Hatahet, wo verändert KI den Arbeitsschutz heute bereits konkret?
Nahed Hatahet: Überall dort, wo Wissen strukturiert, verarbeitet und zugänglich gemacht werden muss. Das betrifft heute schon ganz konkret Unterweisungen, die Erstellung von Unterlagen, das Zusammenfassen von Inhalten oder das Formulieren von Maßnahmen. KI hilft dabei, schneller Klarheit zu schaffen, Lücken zu erkennen und Kommunikation zu präzisieren. Perspektivisch wird sie auch stärker in reale Arbeitsumgebungen hineinwirken, etwa über Sensorik, Kameras oder kontextbezogene Warnsysteme. Erste Ansätze sehen wir bereits heute, etwa auf Baustellen.
BILDUNG: Wo kann KI Sicherheitsfachkräfte und Verantwortliche sinnvoll unterstützen, ohne fachliche Verantwortung zu ersetzen?
Nahed Hatahet: Besonders spannend ist die Möglichkeit, KI als Sparring-Partner zu nutzen, etwa auf Basis vorhandener Dokumente. So entstehen Systeme, mit denen man in natürlicher Sprache arbeiten kann: Fragen stellen, Zusammenhänge klären, Inhalte prüfen. In der Praxis lassen sich daraus auch interne Wissenssysteme entwickeln. Dokumente werden damit zu dialogfähigen Ansprechpartnern. Entscheidend ist aber nicht nur die Technik, sondern das Verständnis dafür, wie man sie sinnvoll einsetzt.

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„Besonders spannend ist die Möglichkeit KI als Sparring-Partner zu nutzen, etwa auf Basis vorhandener Dokumente, welche damit zu dialogfähigen Ansprechpartnern werden."
(Zitat: Nahed Hatahet)
BILDUNG: Welche Schritte bei Unterweisungen lassen sich mit KI besonders gut unterstützen?
Nahed Hatahet: Gerade bei Unterweisungen bietet KI großes Potenzial. Sie kann bei Struktur, Inhalten und Aufbereitung unterstützen, von Skripten über Folien bis hin zu Checklisten oder Quizformaten. Auch Mehrsprachigkeit lässt sich deutlich einfacher umsetzen. Besonders wertvoll ist die Möglichkeit, Inhalte im Dialog weiterzuentwickeln, also Unklarheiten zu erkennen, gezielte Rückfragen zu stellen und daraus Maßnahmen abzuleiten. So können Systeme entstehen, die Unterweisungen nicht nur bereitstellen, sondern aktiv begleiten.
BILDUNG: Wo liegen die Grenzen und Risiken für den Einsatz von KI im Arbeitsschutz?
Nahed Hatahet: Die größte Herausforderung ist eine mögliche Scheinsicherheit. KI wirkt oft überzeugend, basiert aber letztlich auf algorithmischen Modellen und nicht auf echtem Verständnis. Genau deshalb braucht es weiterhin menschliche Urteilskraft. Ergebnisse müssen eingeordnet, hinterfragt und in den realen Kontext übersetzt werden. Dazu kommen Themen wie Datenschutz, Nachvollziehbarkeit und Governance. Wer KI nutzt, muss sich bewusst sein, dass sie Fehler machen kann und entsprechend verantwortungsvoll damit umgehen.
BILDUNG: Was bedeutet verantwortungsvoller KI-Einsatz im Arbeitsschutz ganz praktisch?
Nahed Hatahet: Verantwortungsvoller KIEinsatz beginnt pragmatisch: klein starten, konkrete Anwendungsfälle wählen und Ergebnisse konsequent prüfen. Inhalte dürfen nicht ungefiltert in die Praxis übernommen werden, der Mensch bleibt immer im Entscheidungsprozess. Gleichzeitig sollte man KI nicht nur als einzelnes Werkzeug sehen. Sie entwickelt sich zunehmend zu einem digitalen Ökosystem, das langfristig nahezu alle Prozesse durchdringen wird, auch im Arbeitsschutz.

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„Die größte Herausforderung ist eine mögliche Scheinsicherheit. KI wirkt oft überzeugend, basiert aber letztlich auf algorithmischen Modellen und nicht auf echtem Verständnis."
(Zitat: Nahed Hatahet)
BILDUNG: Mit welchen einfachen Anwendungsfällen sollten Unternehmen starten?
Nahed Hatahet: Der Einstieg gelingt am besten über einfache, direkt nutzbare Anwendungsfälle. Dazu zählen etwa das Zusammenfassen von Unterlagen, das Erklären von Begriffen oder das Erstellen von Entwürfen für Unterweisungen und Checklisten. Wichtig ist dabei, nicht bei der bloßen Tool-Nutzung stehen zu bleiben. Entscheidend ist, konkrete Mehrwerte zu erkennen und gezielt umzusetzen. Darauf aufbauend können später weiterführende Anwendungen entstehen.
BILDUNG: Welche zusätzlichen Kompetenzen brauchen Fachkräfte künftig, wenn KI im Arbeitsschutz zum Werkzeug wird?
Nahed Hatahet: Es geht künftig weniger darum, Tools zu bedienen, sondern vielmehr darum, sie sinnvoll zu führen. Dazu gehören die Fähigkeit, gute Fragen zu stellen, Ergebnisse kritisch zu prüfen und sie in den betrieblichen Kontext zu übertragen. Darüber hinaus gewinnen Datenverständnis, digitale Systeme und Governance an Bedeutung. Wer den Arbeitsschutz von morgen mitgestalten will, braucht vor allem Orientierung und Urteilskraft. Genau darin liegt der Unterschied zwischen reiner Nutzung und echter Kompetenz.
BILDUNG: Wir danken fürs Gespräch!
Quelle: Erschienen im Magazin Bildung - Das BFI Tirol Magazin für Bildung und Beruf | Ausgabe Juni 2026




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