Interview Teil 2/2: Künstliche Intelligenz
- Nahed Hatahet

- vor 4 Tagen
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Was die Erfindung des elektrischen Stroms für die Menschen mit sich brachte, wissen Sie. Ähnlich verhält es sich nun mit Künstlicher Intelligenz (KI). Im Gespräch mit Experten Nahed Hatahet wird vieles über KI klar.
Im ersten Teil des Interviews mit Nahed Hatahet in HLK Solid 1-2026 (Seite 32 bis 34) wurden allgemeine Fragen über Künstliche Intelligenz (KI) beantwortet, wer davon profitiert, und ob KI in Kombination mit Robotern im HLK-Bereich Fuß fassen könnte. Hier ist nun der zweite Teil des Interviews, das HLK-CR Eberhard Herrmann mit dem Trainer, Mentor, Autor, Podcaster, Speaker Nahed Hatahet führte (www.nahedhatahet.eu).

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„Bei einigen Aspekten der KI könnte bzw. müsste es zu Regelungen kommen - denn das nur zwei, drei Unternehmen weltweit über Algorithmen entscheiden, und keiner kennt die neuen, kann sehr schnell zu bedenklichen Entwicklungen führen."
(Zitat: Nahed Hatahet)
SOLID: Was soll jemand machen der Angst hat, dass sein Job durch KI wegfällt?
Nahed Hatahet: Diese Person sollte sich fortbilden und die neuen Möglichkeiten, die KI schafft, kennenlernen. Man braucht keine Angst haben vor KI, sondern - wenn überhaupt - vor jenen, die mit KI umzugehen wissen. Wichtig ist, dass man das Thema Künstliche Intelligenz nicht verleugnet, sondern darüber redet, mit ihm aktiv umgeht, sich informiert. Man erinnere sich an die Anfangstage des Internet: Manche dachten, da gibt es halt eine Homepage und das war es. Andere haben das Thema vertieft und gesehen, dass hier viel Geschäft schlummert. Einen, der das gut erkannte, kennen wir heute alle - Amazon ist der größte Buchhändler weltweit und zugleich einer der größten Logistiker der Welt. Eines war und ist klar: Wer nicht mit der Zeit geht, wird auch mit der Zeit gehen müssen.
SOLID: Verblödet die Menschheit nicht zusehends (noch mehr?), wenn künstliche Intelligenz immer mehr Bereiche vereinnahmt?
Nahed Hatahet: Nein, denn eine KI ist nur so clever, wie die Menschen, die sie programmiert bzw. "gefüttert" haben. Und KI hat (noch) kein Bewusstsein. Auch KI ist momentan nicht immer fehlerfrei und braucht "Humans in the loop", also Menschen, die das kontrollieren, was eine KI auswirft, vor allem noch im medizinischen Bereich. Wir wissen: Nur weil es die Erfindung des Autos gab, haben die Menschen nicht aufgehört, zu Fuß zu gehen. So wie das Auto ist auch die KI ein Hilfsmittel, um schneller dort hinzukommen, wo man hin möchte. Die KI beschleunigt manche Dinge massiv, ersetzt aber bei Weitem nicht alles. Prinzipiell sehe ich die KI als sinnvolle Ergänzung und nicht als Bedrohung. Ein Beispiel dazu, das ich kürzlich praktisch selbst erlebte.
Bei mir gab es um 23 Uhr Stromschwankungen - im Stromkasten knisterte es (durch Wassereintritt). Als Nicht-Techniker fragte ich ChatGPT - innerhalb kürzester Zeit erhielt ich wertvolle Hinweise, dass es eben besser ist, den Strom über Nacht komplett abzudrehen, da akute Brandgefahr besteht, und dann sofort einen Notdienst zu rufen. Das hat mir in den ersten Minuten schon sehr geholfen. Am nächsten Tag habe ich mich natürlich an einen Handwerksbetrieb gewendet , der prompt vorbeikam und das Problem behob.

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„Die Haftungsfrage spielt (auch beim Thema KI) eine große Rolle. Deshalb wird z.B. im Medizinbereich zwar mitunter KI eingesetzt; aber die Diagnose und Letztentscheidung muss von einem Arzt getroffen werden."
(Zitat: Nahed Hatahet)
SOLID: Geht von KI auch Gefahr aus?
Nahed Hatahet: Die Möglichkeit, dass Menschen KI verwenden, um anderen Menschen Schaden zuzufügen, ist aus meiner Sicht die größte Gefahr. Aber hier ist es eben nicht die KI, sondern es sind die Menschen dahinter, die Schaden verursachen möchten. Manipulationsversuche (der Menschen) könnten durch KI zunehmen. Sollte die KI einmal ein Bewusstsein entwickeln können, müssten natürlich unbedingt entsprechende Regeln geschaffen werden. Ähnlich wie bei der Genforschung, wo es durch das geklonte Schaf Dolly die Diskussion um das Klonen von Menschen gab.

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„Die nächste große Weiterentwicklung im Bereich KI ist gerade im Entstehen - es sind sogenannte Avatare in Form von Agents."
(Zitat: Nahed Hatahet)
SOLID: Was könnte sich durch KI in den nächsten fünf Jahren ändern?
Nahed Hatahet: Das strenge Datenschutzgesetz in Europa müsste eine Abschwächung erfahren, da es sich offensichtlich als innovationshemmend für Europa erweist. Das ist der Grund warum z.B. autonomes Fahren oder KI-Roboter in Europa nachhinken - und USA und China uns bei weitem bereits abgehängt haben. Dennoch bin ich der Meinung, dass KI bis zu einem gewissen Maß reguliert werden soll und muss, wenn wir vor allem langfristig an Deepfakes und deren Manipulationsmöglichkeiten denken. Es ist bedenklich, dass die meisten KI-Unternehmen in USA und China angesiedelt sind. Wir wissen alle nicht genau, was diese mit unseren Eingaben und Verarbeitungen tun.
Ich glaube aber auch daran, dass Unternehmen in Europa und auch in Österreich KI im hybriden Modell betreiben können und werden. Man kann also die bekannten KI-Werkzeuge nutzen, aber auch KI selbst betreiben - als beispielsweise Company-GPT im eigenen Unternehmen. Da weiß man dann, was mit den Daten und Eingaben passiert - auch wenn diese dann weniger Funktionen bieten, ist es auf jeden Fall die sichere Variante, wenn es um heikle Daten geht. In Zukunft werden wir uns auch über das Thema Haftung Gedanken machen, vor allem wenn es darum geht, die nächste Generation von autonomer KI voranzutreiben.
Aktuell macht KI aufgrund ihrer grundlegenden Architektur (Wahrscheinlichkeitsberechnungen) auch Fehler und dies kann im Fall einer Haftung sehr herausfordernd sein, denn KI selbst kann ja nicht verantwortlich gemacht werden. Au diesen Gründen ist immer noch ein Mensch dazwischengeschaltet - man nennt das dann "Human in the Loop". Ein gutes Beispiel dafür im medizinischen Bereich wäre die Untersuchung mittels Magnetresonanzröhren - die generierten Bilder werden bereits mit KI ausgewertet und es wird eine Diagnose seitens der KI vorgeschlagen. Die eigentliche Entscheidung zur Diagnose, welcher Tumor das jetzt tatsächlich ist und wie dieser behandelt werden soll, muss also nach wie vor von einem Arzt getroffen werden - selbst, wenn die KI das vielleicht sogar besser machen würde als der Mensch. Hier geht es also konkret um die Frage der Haftung. Aktuell profitiert der Arzt dennoch - er hat aktuell eine Art Beifahrer, der ihm innerhalb von Sekunden wertvolle Entscheidungshilfen liefern kann. Entscheiden muss der Arzt und er wird auch dafür dann haften.
Bei KI-Programmen liest man meist auch einen kleinen Hinweis am Schluss, dass die Antwort der KI nicht richtig sein muss. Ich gehe davon aus, dass in vielen Bereichen digitale Varianten und damit auch KI-Programme Einzug halten werden (müssen). Wenn man die teilweise absurd komplizierte Abhandlung hernimmt, die derzeit erfolgt, wenn man eine Anzeige gegen Unbekannt bei der Polizei nach einem Autounfall für die Versicherung machen muss, weiß man, was ich damit meine. Der Staat verbläst in Summe Millionen wegen unzulänglichen Formalitäten bzw. wegen viel zu komplizierter Amtswege. Ich bin auch der Meinung, dass der Staat selbst und dessen Dienste mit KI massiv optimiert werden kann und muss. Der Staat hat aktuell zu wenig Geld und muss massiv einsparen. KI kann hier helfen, vor allem kann man eben mit KI die Ausgaben eben massiv senken und den Verwaltungsaufwand für z.B. Anzeigen nach einem Autounfall auch massiv optimieren.

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„Auch KI ist momentan nicht immer fehlerfrei und braucht Humans in the loop, also Menschen die das kontrollieren, was eine KI auswirft."
(Zitat: Nahed Hatahet)
Ein sehr gutes Beispiel dafür wäre der neue Trend, den wir als "Agentic-AI" oder autonome KI bezeichnen. Was spricht dagegen, dass eine Anzeige gemeinsam mit einem KI-Agenten erfolgt, mit dem ich in natürlicher Sprache sprechen kann und der in meinem Namen dann die entsprechende Anzeige aufgibt, oder etwas einreicht - meiner Meinung nach, spricht da nichts dagegen, sofern ich als Bürger und Mensch zusammenfassend alles freigebe ("Human in the loop"). So könnte man den Staatsapparat verschlanken. In der Digitalisierung und KI steckt einfach enorm viel Potenzial genau dafür.
Quelle: Publiziert im Solid Spezialmagazin HLK | 02/2026




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