• Nahed Hatahet

Interview mit Mr. Data Österreichs, Günther Tschabuschnig von der ZAMG

Aktualisiert: 26. Nov 2020

Wenn man in Österreich mit Big Data & AI zu tun hat, hat man eher früher als später auch mit Günther Tschabuschnig von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) zu tun bzw. wird man auf diese Persönlichkeit einfach aufmerksam. So ging es mir auch - umso mehr freute ich mich, als mir der Mr. Data Österreichs eine Interviewanfrage zusagte. Herr Tschabuschnig ist neben seiner brennenden Leidenschaft für Daten vor allem Mensch geblieben, so viel kann ich schon mal verraten. Tauchen Sie gemeinsam mit Gütnther Tschabuschnig und mir ein in die wunderbare Welt der Daten und lesen hier das gesamte Interview.

Wir machen Datascience seit 1851.

(Zitat, Günther Tschbuschnig, CIO, Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik)


Nahed Hatahet: Lieber Herr Tschabuschnig, vielen Dank für das Blog-Interview, ich freue mich sehr darüber! Können Sie uns kurz beschreiben, was Ihre konkreten Aufgaben als CIO der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik sind, was Ihr Unternehmen genau macht und wie Sie dem digitalen Wandel beruflich begegnen?


Günther Tschabuschnig: Als CIO des ältesten metrologischen Instituts der Welt verwalte ich zwei Datacenter mit 22 PB, 4 High Performance Computer und versuche mit meinem Team rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Arbeit zu ermöglichen. Wir machen Datascience seit 1851. Daten ist unser tägliches Brot, unsere pulsierende Ader und unser Herzschlag. Aktuell laufen rund 100.000 Datensätze pro Minute in unser Rechenzentrum und rund 20 TB an Satellitendaten pro Tag. Digitalisierung begegnet mir hier jeden Tag und bei jedem Schritt. Sei es im 24/7/365 Betrieb oder bei unseren Forscherinnen und Forschern, die den Takt auch in der IT stark vorgeben. Startups, die mit uns kooperieren und internationale Institutionen, die auf uns angewiesen sind. Am Puls der Digitalisierung zu bleiben, das ist mein Werkzeug, dass ich jeden Tag neu schärfen muss.


Aktuell laufen rund 100.000 Datensätze pro Minute in unserem Rechenzentrum und rund 20 TB an Satellitendaten pro Tag.

(Zitat, Günther Tschbuschnig, CIO, Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik)


Nahed Hatahet: Sie beschäftigen sich ja intensiv mit den Themen Big Data und Artificial Intelligence, es ist quasi Ihr tägliches Brot. Die Verarbeitung von großen Datenmengen und maschinelles Lernen verlangen sicherlich auch eine hohe Verantwortung - nicht zuletzt im Umgang mit den angesprochenen AI Technologien. Der Markt spricht von Datenethik und Datenkultur, was verstehen Sie konkret darunter und ist das wirklich ein Thema speziell in Ihrem Business Umfeld?


Günther Tschabuschnig: An der ZAMG wird beispielsweise für die CTBTO die Auswertung illegaler Atomtests auf der ganzen Welt gemacht. Dies birgt natürlich eine enorme Verantwortung. Unsere Daten sind an der direkten Schnittstelle zwischen Natur und Mensch. Sie berühren jedermann. Regen, Schnee, Lawinen, Umwelt und das alles in Nuller und Einser gepackt, interpretiert und analysiert, zum Wohle aller wiederaufbereitet und weitergegeben - dafür brennen meine Kolleginnen und Kollegen. Und sei es nun mit klassischer Simulation oder AI - der Mensch steht als Dreh und Angelpunkt in der Mitte unseres Handelns.


Unsere Daten sind an der direkten Schnittstelle zwischen Natur und Mensch.

(Zitat, Günther Tschbuschnig, CIO, Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik)


Nahed Hatahet: Mit Ihrem Team betreiben Sie Systeme, die gerade auch in Krisen sicher und vor allem immer verfügbar sein müssen. Anderseits haben Sie ja auch sicherlich Cloud Technologien im Einsatz. Wir kann man sich heute vor Sicherheits- und Cyberangriffen von außen sowie Erpressung schützen? Gibt es da spezielle Schutzmechanismen und ist Cloud überhaupt ein Thema, wenn man krisenfest sein muss?


Günther Tschabuschnig: Wir denken unsere Strategien intensiv konzeptionell durch, verwenden HA- und Redundanzverfahren. Als Teil der kritischen Infrastruktur müssen wir über den Tellerrand von Cybersecurity hinausdenken und das wissen auch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Bedrohungslage besonders bei uns ist enorm und einen Ausfall können wir uns nicht leisten. Das Wetter, Klima oder Umwelt machen ja auch keine Pause. Multitcloud und Georedundanz sind hier Schlagworte, auf die wir setzen. Unsere Resilienz schärfen wir nicht nur technisch, sondern auch ganz intensiv mit Prozessen, die die ganze Organisation mitträgt.


Die Bedrohungslage besonders bei uns ist enorm und einen Ausfall können wir uns nicht leisten.

(Zitat, Günther Tschbuschnig, CIO, Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik)


Nahed Hatahet: Welche drei Trends sehen Sie in Ihrem Arbeitsumfeld mit denen Sie sich als CIO beschäftigen wollen und die Sie im digitalen Wandel in naher Zukunft begleiten werden? Wie wird das Ihr heutiges Business beeinflussen, sowohl als Unternehmen, als auch als CIO?


Günther Tschabuschnig: Customer and Employee first, wir schaffen IT nicht um der IT Willen, sondern für und durch unsere Kunden und Mitarbeiter. Wenn wir nicht wissen, was der interne und externe Kunde benötigt, machen wir jetzt bereits etwas falsch. Beim Thema Sustainability und Green IT mit unseren 4 Supercomputer ist das Thema Energie ein heikles und wichtiges. Schon jetzt setzen wir bei Ausschreibungen auf das Thema Green IT. Unser neuester HPC ist warmwassergekühlt - die Abwärme verwenden wir zur Aufbereitung von Warmwasser in den Büros. Souveränität von Daten und ein Datenökosystem sind nicht das neue Gold - denn sie sind viel besser als Gold. Auch in Corona Zeiten. Daten entfalten ihren Wert aber nur, wenn wir sie verschneiden und gleichzeitig mit Information anreichern und somit zu Wissen zu machen. Wissen, das beispielsweise bei der Voraussage von Naturkatastrophen lebensrettend sein kann.


Customer and Employee first, wir schaffen IT nicht um der IT Willen, sondern für und durch unseren Kunden und Mitarbeiter.

(Zitat, Günther Tschbuschnig, CIO, Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik)


Nahed Hatahet: Wenn ich Sie als Datenexperte direkt fragen darf, haben Sie persönlich auch Angst vor der Zukunft, wenn die Digitalisierung und der digitale Wandel um sich greift? Wenn man sich nur so vorstellt was die GAFA Unternehmen (Google, Apple, Facebook und Amazon) mit den Daten Ihrer Nutzer so alles mache könn(t)en?


Günther Tschabuschnig: Ich habe eher Angst, wenn wir nichts mit unseren Daten machen. Jeder einzelne von uns. Datenbewusstsein muss geschaffen werden. Datensouveränität forciert werden. Daten sind kein Kapital der Hyperscaler. Die Daten gehen von der Crowd aus und diese kann sie auch kontrolliert einsetzen und steuern. Gerade im medizinischen Umfeld gibt es spannende Konzepte wie "Datenspende" für Forschungseinrichtungen - ein unschätzbarer Mehrwert.


Gerade im medizinischen Umfeld gibt es spannende Konzepte wie "Datenspende" für Forschungseinrichtungen.

(Zitat, Günther Tschbuschnig, CIO, Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik)


Nahed Hatahet: Vielen Dank für Ihre Zeit und diese Einblicke Herr Tschabuschnig, einfach genial!


Günther Tschabuschnig: Es war mir eine Freude mit Ihnen zu diskutieren und meine Ideen hier weiter geben zu dürfen. Ich war mit 24 junger WU Student und mein bester Freund war ein Investmentbanker. Ich fragte ihn damals "In was soll ich mein Geld investieren, damit wir am Wochenende Party machen könnten?". "Gold" war seine Antwort. Also kaufte ich mir von meinem Studentenjob Aktien einer kleinen Goldmiene in Peru. Nach 4 Wochen war diese Pleite und ich hatte nichts mehr. Seitdem weiß ich, dass ich besser auf Ressourcen setze, die mehr Wert werden, wenn ich sie teile. Daten.

Quelle: Publiziert auch in der Computerwelt (CW Fachverlag GmbH) Online am 28.09.2020 und in Printausgabe Nr.16 2020 erschienen am14.10.2020, Titelseite und Seite 16-17 | Interview geführt und erstellt von Nahed Hatahet


Link zum Interview in der ONLINE Computerwelt


Download Titelseite als PDF-Datei, PRINT Computerwelt, Ausgabe 14.10.2020

Download Interview als PDF-Datei, PRINT Computerwelt, Ausgabe 14.10.2020, Seite 16-17

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