• Nahed Hatahet

Interview: Ein Arbeitsplatz für Menschen – wie Künstliche Intelligenz unser Arbeitsleben verändert

Aktualisiert: 26. Nov 2020

Geht nicht gibt’s nicht. Wir haben die Lösung! So das Motto von Nahed Hatahet und seinem Team. Im Live Interview vom 09.07.2020 mit Martina Manich vom team::mt (Talk No. 2) wurden folgenden Themen behandelt: Wie muss der Arbeitsplatz der Zukunft aussehen? Was braucht man, um ihn zu betreiben? Was bedeutet das für die Arbeitskultur, die Kommunikation und Kollaboration von Menschen? Was hat das alles mit Kunst und Ethik zu tun?



Hier das angepasste und verkürzte Interview als Nachlese zusammengefasst:


Martina Manich: Was zeichnet einen Arbeitsplatz der Zukunft aus, das muss doch schon mehr sein heutzutage als ein bisschen Laptop und Software, oder?


Nahed Hatahet: Der Arbeitsplatz der Zukunft ist bei weitem mehr als einen Laptop zu benutzen und von Remote arbeiten zu können. Ein digitaler Arbeitsplatz muss um den Menschen herum aufgebaut sein und liefert die richtige Information zur richtigen Zeit überall hin - ohne dass Mitarbeiter wissen müssen, wo diese Informationen in Wirklichkeit gespeichert sind. Informationen wissen somit für wen sie gedacht sind und folgen so den entsprechenden Mitarbeitern. Ähnlich wie bei einem Auto, wo der Benutzer ja auch nicht mehr genau wissen muss, wie der Motor genau funktioniert und die wichtigsten Informationen zum Betrieb des Fahrzeugs am Armaturenbrett bereitgestellt werden – es geht also nicht um das Auto selbst, wenn man so will (gleichbedeutend mit dem Laptop), sondern viel mehr um die Interaktion mit Technologie und Informationen – viele Unternehmen bieten heute Arbeitsplatzlösungen an und verkaufen wahrhaftig nur Hardware und die Bereitstellung dieser – das ist auch heute schon einfach zu wenig.


Martina Manich: Welche Rollen spielen dabei Künstliche Intelligenz und Bots, werden diese uns in der Arbeitswelt ersetzen? Müssen wir Angst um unseren Job haben?


Nahed Hatahet: Nein, wir müssen keine Angst haben, denn künstliche Intelligenz ist ja in Wirklichkeit nicht so intelligent, wie man uns das immer vermitteln will. Diese Maschinen müssen genauso lernen und sind meist nur in einem ganz speziellen Bereich schnell und das wirkt sehr oft für uns Menschen „intelligent“. Da stecken sehr viel Mathematik und Wahrscheinlichkeits-berechnungen dahinter. Im Gegenteil KI und Bots werden uns eine ganz neue Art der Interaktionen mit Maschinen ermöglichen. Ein natürliches Verhalten - zum Beispiel die Steuerung des Arbeitsplatzes über unsere natürliche Sprache - wie wir das bereits bei Bots sehr stark erleben. Stichwort Bot Konversationen, auch wenn es noch eher wenige wirklich gut umgesetzte Bots am Markt gibt, können Bots doch auch schon jetzt gute Assistenten und Helfer sein. Weiter wird uns KI am Arbeitsplatz der Zukunft helfen, Menschen mit Einschränkungen besser inkludieren zu können. Stichwort Inklusion. So kann eine KI heute schon ein Video transkribieren und so Menschen die nicht hören können helfen, da die Audiospur nun „gelesen“ werden kann. KI und Bots werden unser Verhalten am Arbeitsplatz auf Grund unseres Verhalten wahrhaftig „verstehen“ und diesen dann ideal für uns anpassen sowie die Informationsbereitstellung dadurch optimieren. Ich persönlich habe keine Angst vor künstlicher Intelligenz und Bots! Ich habe aber Angst davor, dass es Menschen geben wird, die diese Technologien nicht im positiven Sinne für Menschen einsetzen wollen – und werden. Technologie selbst ist ja an und für sich nicht böse.

V.l.n.r. Martina Manich (team::mt) im Gespräch über den Arbeitsplatz der Zukunft mit dem Transformationsexperten Nahed Hatahet und was das alles mit Arbeitskulturwandel zu tun hat


Martina Manich: Was braucht man, um einen Arbeitsplatz der Zukunft erfolgreich zu etablieren?


Nahed Hatahet: Der Arbeitsplatz der Zukunft verlangt Benutzer, die anders denken und bereit sind Ihre Gewohnheiten auch zu verändern. Schicken sich die meisten Unternehmen auch heute noch Informationen in Form von E-Mails hin- und her, so arbeiten wir bei HATAHET intern ohne E-Mails und nutzen modernere Möglichkeiten zur effizienteren Kommunikation und Kollaboration, wie beispielsweise u.a. Chat, digitale Telefonie, Videokonferenzen und themenorientierte Gruppen. Die größte Herausforderung sind wir jedoch selbst, der Mensch verändert sich nun mal nicht gerne. Die Gewohnheit zwingt uns immer wieder in E-Mails zu denken. Es verlangt also neben Technologie vor allem einen unbedingt notwendigen Arbeitskulturwandel, den man begleiten muss - um den digitalen Wandel am Arbeitsplatz überhaupt erfolgreich herbei zu führen. Es geht also sehr stark darum unsere veraltete Art digital zu kommunizieren in einer moderne zu verwandeln - es geht also vor allem darum, dass wir uns um die Menschen kümmern. Technologie ist, wie wir es seit Jahren bereits erleben, nur noch Mittel zum Zweck geworden. Heute geht es um mehr. Gewohnheiten zu verändern verlangt ein hohes Maß an Disziplin und Durchhaltevermögen. Wohl einer der größten Herausforderungen im Zeitalter der digitalen Transformation. Es benötigt Begleitmaßnahmen.


Martina Manich: Sehr interessant, hast Du konkrete Beispiele, wie man so einen Arbeitskulturwandel begleiten muss?


Nahed Hatahet: Ja selbstverständlich. Im Prinzip geht es ja darum, Menschen in deren Arbeitsweise zu modernisieren, damit diese effektiver kommunizieren und zusammenarbeiten können und die modernen Werkzeuge auch richtig einsetzen. Das Problem ist in Wirklichkeit unser Gehirn, dass eben ein „Gewohnheitstier“ ist und sich nicht gerne und schon gar nicht rasch verändern lässt. Unser Gehirn ändert sich nur sehr langsam und auch nur dann, wenn es einen positiven Anreiz gibt oder wenn es nicht anders kann. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist COVID – unter Zwang ist plötzlich Home Office und Videokonferenzen halten kein großes Thema mehr – die (meisten) Menschen haben den positiven Effekt spüren können und damit auch annehmen können. Nach COVID werden diese Technologien besser etabliert und verstanden worden sein, also vor COVID. Was heißt das nun aber konkret? Wenn wir also unsere Kommunikation zum Beispiel von E-Mail „Ping-Pong“ auf Chatten transformieren wollen, reicht es eben nicht nur die Chat-Technologie einzuführen, sondern man muss für Benutzer entsprechende Mehrwerte schaffen - also positive Anreize. Dazu muss man aufklären, warum man überhaupt chatten soll und warum das besser ist. Unter Begleitmaßnahmen verstehen wir die Begleitung solcher Projekte mittels zum Beispiel Storytelling, interner Kommunikation und Marketing. Wir müssen quasi den Mehrwert intern bewerben und danach messen, ob wir erfolgreich waren, also z.B. ob dann wirklich weniger E-Mails geschrieben werden. Ein Arbeitskulturwandel ist ein interdisziplinäres Projekt, indem viele Abteilungen in einem Unternehmen an einen Strang ziehen müssen – wohl die größte Herausforderung der Digitalisierung im Business Umfeld.


Martina Manich: Nahed, Kunst spielt eine wichtige Rolle in Deinem Leben, wie ich weiß - und Du sammelst ja auch Fotografie und Skulpturen. Du versuchst Dich ja auch selbst im Schaffen "digitale Kunstwerke" mit Deinem iPad und Pencil. Was hat nun der Arbeitsplatz der Zukunft mit einem Kunstwerk gemein, was meinst Du damit, wenn Du in Deinen Vorträgen darauf hinweist?


Nahed Hatahet: Ja Martina, ich liebe Kunst und für mich muss jeder Arbeitsplatz der Zukunft einfach wie ein Kunstwerk sein. Der Arbeitsplatz muss daher mit liebe produziert werden und eine gute Emotion ausstrahlen, um den Menschen glücklicher zu machen. Ein Benutzerinterface muss wie ein gutes und schönes Bild auf den Benutzer wirken und einfach ein gutes Gefühl beim Arbeiten vermitteln - sowie einfach und selbsterklärend bedienbar sein. Software muss positive Reize schaffen und nicht nur viele Funktionen aufweisen - von denen wir ja ohnehin nicht mehr alle kennen und damit überfordert sind. Wir bei HATAHET zum Beispiel sehen uns als Arbeitsplatzkünstler und liefern den Arbeitsplatz der Zukunft als Kunstwerk aus, reduziert aufs Wesentliche, ähnlich wie ein Bildhauer aus einem Stein durch Reduktion erst die wahre Essenz herausholt. Es mag für viele Menschen befremdlich wirken, wenn man Software mit Kunst vergleicht - ich persönlich empfinde zutiefst, dass es genau so sei muss – zumindest ist es für mich ein wesentliches Ziel, Software anders zu beraten und für Menschen zu bauen - und wie gesagt, dass hat wenig mit Technologie zu tun – der digitale Wandel am Arbeitsplatz der Zukunft ist nun mal wesentlich mehr als nur ein Softwareprodukt oder einen Laptop bereitzustellen.


Martina Manich: Danke für das sehr interessante Interview und die Einblicke in Deine Welt, eine Reise die sehr spannend war!

Videoaufzeichnung im Original vom 09. Juli 2020 inkl. Vorspann

Quelle: Zusammenfassung Live-Interview, Talk No 2 | Martina Manich fragt Nahed Hatahet | Ausgestrahlt als Livestream am 09. Juli 2020 | team::mt, München | Autor: Nahed Hatahet


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